Krankheit als Metapher
Krankheit als „Störung im System“ und als existenzielle Erfahrung verweist immer auf Außerordentliches, letztlich auf das, was aus dem Leben ausgeschlossen zu werden hat: den Tod. Entsprechend ist der Zugriff auf Krankheit durch die institutionalisierte Medizin einer der Kontrolle, der Macht, Seit dem 19. Jahrhundert ist das literarische Interesse für pathologische Themen und Motive ungebrochen, die Gegenwartsliteratur ist entscheidend und in vielfältigen Formen davon geprägt. Während in den „Verständigungstexten“ der 70er Jahre Krankheit als Motiv und Motivation zumeist autobiographischen Erzählens , verlagert sich seit den 80er Jahren die Bedeutung des Schreibens über Krankheit. Bedeutsam wird Krankheit nun vor allem als strukturbildendes Element für das Erzählen, das auch den Text-Körper nicht unversehrt läßt. Der kranke Körper wird zum Medium von Erkenntnis und Erinnerung, gerichtet gegen das Projekt einer Zivilisation, die auf der Verdrängung alles Abseitigen und „Ab-Normen“ beruht: „Die Beschädigung von Berlin, deren geschichtliche Voraussetzungen ja bekannt sind, erlaubt keine Mystifizierung und keine Überhöhung zum Symbol. Was sie erzwingt, ist jedoch eine Einstellung auf Krankheit, auf eine Konsequenz von variablen Krankheitsbildern, die Krankheit hervorruft.“ (I. Bachmann, Ein Ort für Zufälle) Beim Literaturfrühstück – wie immer bei Kaffee und Gebäck – wird die Autorin und Literaturvermittlerin Petra Nagenkögel anhand ausgewählter Texte (u.a. von Georg Büchner, Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Unica Zürn, Anne Duden) verschiedenen Schreibweisen von Krankheit, ihren Bedeutungen und Inszenierungen in der Literatur nachgehen.
| Do. 08. Januar 2004, 10:30 Uhr | |
| Literaturhaus Salzburg | |
SALZ 203Lieben
Die genaue Beobachtung, die intensive Wahrnehmung sind die Grundlagen der Welterkenntnis, des Kunstschaffens, der Literatur. Sie verbinden die Trägerin des Rauriser Literaturpreises 2026 Sophie Hunger mit dem Träger des Fördungspreises Andreas Neuhauser – auch wenn ihreTexte ganz unterschiedliche Sujets für uns Leser:innen unters literarische Mikroskop gelegt haben. Lesen Sie diese so unterschiedliche Literatur, hier versammelt in SALZ durch die Rauriser Literaturtage, kundig kuratiert von Ines Schütz und Manfred Mittermayer zum ältesten und allumfassendsten Thema: ...
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