Matthias Gruber & Anja Salomonowitz
Worüber man nicht (mehr) sprechen darf
Männer schreiben aus der Perspektive von Frauen, Bobos aus jener von Migrant*innen, Zeitgenoss*innen aus jener von KZ-Überlebenden –Perspektivenübernahme galt lange als genuin literarisches Mittel. Autor:innen kam dabei die Rolle von Mittler:innen zu, die mithilfe der Literatur ein Drittes zwischen Innenperspektive und Außenwahrnehmung bilden. Tücken und Zweifelsfälle dieses Literaturverständnisses einerseits und die Sensibilisierung für gesellschaftliche Machtverhältnisse andererseits führten jüngst dazu, dass eine Perspektivenübernahme als übergriffig diskreditiert ist und vielerorts das Diktat des Autofiktionalen herrscht: Alles, worüber man schreibt, müsse am eigenen Körper erfahren sein. Matthias Gruber und Anja Salomonowitz erkunden in Texten und Gespräch, was diese Veränderungen für künstlerisches Tun bedeuten.
Die Reihe StreitBar bringt Autor*innen ins Gespräch über Aspekte literarischen Schaffens. StreitBar meint, die eigene Position zu formulieren und zur Diskussion zu stellen, kritischen Austausch und eine Debatte anzustoßen. Die eingeladenen Autor*innen verfassen Essays, die nach der Veranstaltung u.a. in der Literaturzeitschrift SALZ nachzulesen sind.
„Wer aus Not, aus Unbesonnenheit oder zur Befriedigung eines Gelüstes eine Sache geringen Wertes einem anderen entzieht oder sich oder einem Dritten zueignet, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Monat oder mit Geldstrafe bis zu 60 Tagessätzen zu bestrafen.“, so heißt es im Strafgesetzbuch § 141. Und wie handhaben wir es in der Literatur? Wie sprechen wir aktuell über Aneignung, welche diskurspolizeilichen Sanktionen können wir verzeichnen? Und wie verhalten wir uns zu ihnen? Bei der StreitBar diskutieren der Autor Matthias Gruber und die Autorin und Filmemacherin Anja Salomonowitz darüber, welche Rolle Fragen der Aneignung in ihrer künstlerischen Arbeit spielen.
StreitBar mit Matthias Gruber und Amir Gudarzi: Montag, 24. November 2025, 19:00, Literarisches Quartier Alte Schmiede Wien
Matthias Gruber, geb. 1984, lebt als Schriftsteller in Salzburg, zuletzt erschien „Die Einsamkeit der ersten ihrer Art“ (Jung und Jung Verlag 2023), ausgezeichnet mit dem Rauriser Literaturpreis.
Anja Salomonowitz, geb. 1976, vielfach ausgezeichnete Filmemacherin (zuletzt u.a. zu Maria Lassnig „Mit einem Tiger schlafen“), 2025 erschien ihr Debütroman „Zu mir oder zu dir“ (Czernin Verlag).
| Mi. 26. November 2025, 19:00 Uhr | |
| Academy Bar, Salon, Franz-Josef-Straße 4 | |
| Vollpreis: 12,– € | Ermäßigt: 10,– € | Mitglied: 8,– € | |
| Reservierung: T. 0662 422781 oder leselampe@literaturhaus-salzburg.at | |
| Mitveranstalter: Alte Schmiede Kunstverein Wien | |
| Büchertisch: Rupertus Buchhandlung |
SALZ 202Nahaufnahmen 31
Auch in der 202ten Ausgabe von SALZ wird vorgestellt und zurückgeblickt, geehrt, gratuliert und gedankt. Und weiter gefeiert. Mit den beiden Festvorträgen von Werner Michler und Anna Maria Stadler, aber auch mit den Beiträgen von Zsuzsanna Gahse und Martin Amanshauser gibt es einen kleinen Rückblick auf das SALZ-Jubiläum. 1975 ist auch das Salzburger Literaturjahr, dem Harald Gschwandtner in der Reihe „Vor Ort“ seine Aufmerksamkeit widmet. /// Gleichzeitig nehmen die Nahaufnahmen die Aufgabe von Literaturzeitschriften wahr – sie präsentieren und stellen damit die aktuellste Salzburger Literatur mit prämierten Texten, ...
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