Terézia Mora
Seltsame MaterieTánte Magdala erzählt mir, sie habe unseren Vater im Dorf gesehen. Er sitzt seit gestern im Wirtshaus und spielt Karten. Ich spiegle mich im Fensterglas und schneide mir mit dem Trimmer die Haare gerade. Der Trimmer war das einzige Geschenk, das Großvater damals von seiner Reise nach Westdeutschland mitbrachte. Ich gehe in Vaters erdbraunem Hochzeitsanzug zur Prüfung, obwohl er mir etwas zu kurz ist.“ Kleine Dörfer an der ungarisch-österreichischen Grenze bilden die literarische Landschaft der Erzählungen im ersten Erzählband der Bachmann-Preisträgerin 1999. Der Alltag in diesem ungarischen Seewinkel ist geprägt von Abgeschiedenheit, provinzieller Enge, verschrobener Religiosität und der Sehnsucht nach einem guten Leben. Glücklosigkeit ist hier die Normalität, eine Normalität, die gebrochen wird im distanzierten Blick der Erzählerin. Ohne Larmoyanz, in nüchtern lakonischer und reduzierter Sprache erzählt, wird in den Geschichten Moras das Eigene fremd, wird zur „seltsamen Materie“, skurril, grotesk und manchmal liebenswert: „Für den Rest der Welt sind wir unsichtbar. Und ich möchte wenigstens einige Blicke auf uns lenken.“
| Do. 20. Januar 2000, 20:00 Uhr | |
| Literaturhaus Salzburg | |
| Mitveranstalter: prolit |
SALZ 203Lieben
Die genaue Beobachtung, die intensive Wahrnehmung sind die Grundlagen der Welterkenntnis, des Kunstschaffens, der Literatur. Sie verbinden die Trägerin des Rauriser Literaturpreises 2026 Sophie Hunger mit dem Träger des Fördungspreises Andreas Neuhauser – auch wenn ihreTexte ganz unterschiedliche Sujets für uns Leser:innen unters literarische Mikroskop gelegt haben. Lesen Sie diese so unterschiedliche Literatur, hier versammelt in SALZ durch die Rauriser Literaturtage, kundig kuratiert von Ines Schütz und Manfred Mittermayer zum ältesten und allumfassendsten Thema: ...
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